GVC - Gesangverein CĂ€cilia Assmannshausen

Assmannshausen liegt im Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal
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Der Gesangverein CÀcilia feiert in 2009 ein stolzes JubilÀum
Ein bedeutender KulturtrĂ€ger in Assmannshausen ist 125 Jahre geworden
Ein Bericht von Reinhold Forschner


Das alte Protokollbuch Kirchenchor Assmannshausen 1884 wird teilweise von Klebestreifen zusammengehalten. Seine Seiten sind am Rande vergilbt und flattrig, die mit einer Feder geschriebenen Zeilen sind ein bedeutendes StĂŒck Vereins- und Ortsgeschichte. Ein wichtiges Dokument des Anfangs, es wurde vor einigen Jahren auf dem Dachboden der Pfarrkirche Hl. Kreuz in einer Kiste gefunden. Spannend ist es, darin zu lesen.

Auf den ersten Seiten stehen die „Statuten des Kirchenchors zu Assmannshausen“ geschrieben.
14 Paragraphen regeln das neue Vereinsleben, das im April 1884 begann. Unterschrieben von Friedrich Kohlhof, dem ersten Dirigenten des Vereins, Martin Brandscheid, Adam Backes II, Johann Meckel, Josef König, Johann Rheinberger, Friedrich Backes, Philipp König II, Christian SchĂŒtz, Alphons Meckel, Anton MĂŒller, Nikolaus Meckel, Josef Meckel, Wilhelm Fischer, Anton Brandscheid, Andreas Lebensky, Peter Lebensky, Johann König und Johannes SchĂŒtz.
Es dauerte nicht lange bis sich sangesfreudige MĂ€nner dem Verein anschlossen. Neben den wöchentlichen Chorproben wurden Monatsversammlungen abgehalten. Man beschloß, welche Lieder einstudiert werden, wem und wann ein StĂ€ndchen darzubieten ist, wann zum vergnĂŒglichen TanzkrĂ€nzchen eingeladen oder welches TheaterstĂŒck aufgefĂŒhrt wird. 1890 ist davon die Rede, und es ist der Beweis dafĂŒr, daß sich im Verein nicht nur die Vorliebe fĂŒr den Gesang entwickelte, sondern auch die Liebe zur volkstĂŒmlichen Unterhaltung. Streng wurde damals darauf geachtet, wer die Chorprobe nicht besuchte, wer es nicht tat, hatte sich beim Chorleiter schriftlich zu entschuldigen.

Es wĂŒrde den Rahmen sprengen hier alle wichtigen Termine aufzulisten. Einige Daten seien aber erwĂ€hnt.
Am Sonntag, dem 22. April 1888, faßte die Generalversammlung den Beschluß, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Es muß nicht lange gedauert haben bis diese Fahne eintraf, denn die Chronik berichtet, daß die Generalversammlung am 7. April 1889 Peter Joseph Kup zum FĂ€hnrich und Friedrich Backes sowie Philipp König zu Fahnenbegleitern wĂ€hlte. Leider gibt es diese erste Vereinsfahne nicht mehr, ĂŒber ihren Verbleib ist heute nichts mehr bekannt.
Zweimal in der Woche wurde in den Anfangsjahren eine Chorprobe abgehalten, man probte in der Schule, und Dekan Bohn achtete streng darauf, daß dabei keine Zigarren geraucht wurden, den Kindern zuliebe, die ja am nĂ€chsten Morgen zum Schulunterricht mußten.

Die Hl. CĂ€cilia gilt als Schutzpatronin der SĂ€ngerinnen und SĂ€nger und zahlreiche Vereine tragen ihren Namen.
Am 5. August 1900 war der AssmannshĂ€user „CĂ€cilienverein“ Ausrichter der zweiten Bezirksversammlung Rheinischer CĂ€cilienvereine.
Auf Anregung des Vorsitzenden Jean SchĂŒtz fanden sich bald Frauen und MĂ€dchen am „CĂ€cilientag“ (22. November) 1901 bereit, „dem erhabenen Zweck zu dienen“ und wurden SĂ€ngerinnen. Sofort wuchs die Mitgliederzahl im Chor auf 33 SĂ€ngerinnen und SĂ€nger an. Von nun an wurde auch wieder zweimal in der Woche geprobt. Man gestaltete nicht nur die Gottesdienste, man sang fortan zu Familienfesten, Feiern anderer Ortsvereine und Veranstaltungen der Gemeinde. Nach vier Jahren ließ der Chorprobenbesuch der Frauen allerdings wieder nach, und es sang nur noch der MĂ€nnerchor.

Der erste Weltkrieg bedingte eine Unterbrechung der VereinstĂ€tigkeit bis 1920. In diesem Jahr kam man am 13. Juni 1920 zur „Erneuerungsversammlung“ zusammen. Hier wurde auch beschlossen, den Verein als gemischten Chor weiterzufĂŒhren. Es entwickelte sich nach Worten des Chronisten eine „leistungsfĂ€hige Chorgemeinschaft“. 1922 wurde auch das Theaterspiel wieder aufgenommen. Der Erlös war fĂŒr den Kauf der Kirchenorgel bestimmt. 1923 sangen 24 Herren und zehn Damen.
Man ist stolz auf die heutige zweite Vereinsfahne, die man vor einiger Zeit restaurieren ließ. Am 29. April 1934 wurde sie anlĂ€ĂŸlich des 50jĂ€hrigen Vereinsbestehens wĂ€hrend eines Festgottesdienstes von Pfarrer Jeuck gesegnet. Am Nachmittag des gleichen Tages fand im Saale des Hotels „Germania“ eine feierliche Festversammlung statt.

Im Zweiten Weltkrieg kam das Vereinsleben erneut zum Erliegen, und 1946 trafen sich die sangesfreudigen AssmannshĂ€user wieder, um das aktive Vereinsleben fortzufĂŒhren. Von hier an trat der Verein als “Gesangverein CĂ€cilia Assmannshausen 1884” auf.
Schwerpunkte lagen in der Mitgestaltung von Gottesdiensten an hohen Festtagen und Auftritten zu besonderen AnlĂ€ssen in der Gemeinde. Ab dieser Zeit gibt es auch die ersten Herbstkonzerte. Statt Theaterspiel gab es nun „Bunte Abende“ zur Fastnachtszeit.

1953 wurde der Verein Mitglied im Deutschen SĂ€ngerbund.
Aus Anlaß des 70jĂ€hrigen Bestehens fand 1954 ein Freundschaftssingen im “Rotweindorf” (Aufbauten fĂŒr das Rotweinfest) statt. Zahlreiche Vereine waren gekommen. Da sich unter ihnen auch einige gemischte Chöre befanden, kam erneut der Gedanke auf, die Damen zum Singen einzuladen. So wurde am 27. November 1954 neben dem MĂ€nnerchor ein Frauenchor gegrĂŒndet. Beide Chöre sollten zunĂ€chst getrennt auftreten, bei der Mitgestaltung von Gottesdiensten jedoch gemeinsam. Jetzt zĂ€hlte der Verein 125 Mitglieder: 25 SĂ€ngerinnen, 30 SĂ€nger und 70 fördernde Mitglieder.

 

Bild oben: Der MĂ€nnerchor hatte zum 70jĂ€hrigen Bestehen ein Freundschaftssingen
ausgerichtet. Im Vordergrung der damalige AssmannshĂ€user BĂŒrgermeister Bode.

1959 feierte der Verein sein 75jĂ€hriges Bestehen . Vom 6. bis 8. Juni hatten 32 Vereine an den Freundschaftssingen teilgenommen. In einem großen Festzelt wurden ein Festkommers, Freundschaftssingen und Heimatabend ausgerichtet. Im Festzelt fand auch ein Gottesdienst statt.
Zum 90jÀhrigen Bestehen im Jahre 1974, das man ebenfalls in einem Festzelt feierte, kamen 1.700 SÀngerinnen und SÀnger in 38 Vereinen nach Assmannshausen. Das Fest wurde vom 18. bis 20. Mai 1974 gefeiert.

Danach begannen die ersten großen SĂ€ngerfahrten ĂŒber mehrere Tage. Die erste Fahrt, an der 90 Personen teilnahmen, fĂŒhrte nach Scheffau am Wilden Kaiser, eine weitere Fahrt nach Westendorf in Tirol.
Auch stellte man sich den Kritikern bei dem vom SĂ€ngerkreis Rheingau organisierten Kritiksingen und besuchte SĂ€ngerwettstreite und Freundschaftssingen außerhalb des Rheingaus. Auf die Erfolge durfte man stolz sein.
1984 feierte der Verein sein 100jĂ€hriges Bestehen im Rahmen eines großen SĂ€ngerfestes. Zuvor hatte man am 1. April zu einem Konzert unter dem Motto „Ein bunter Melodienstrauß“ in die Rheinhalle RĂŒdesheim eingeladen. Freundschaftssingen mit 52 Gastvereinen, vom 29. Juni bis 1. Juli, lösten Begeisterung aus.

Beim 29. Hessentag 1984 im Lampertheim ĂŒberreichten Kultusminister Hans Krollmann und der PrĂ€sident des Hessischen SĂ€ngerbundes, Alfred Engelmann, dem Verein die „Zelter-Plakette“, eine Ehrung des BundesprĂ€sidenten. Der damalige Erste Vorsitzende, Otto Banner, nahm die Auszeichnung entgegen. Banner war ein sehr rĂŒhriger Erster Vorsitzender, dem der Verein vieles zu verdanken hat.
Der 1974 gegrĂŒndete Kinderchor feierte sein 10jĂ€hriges Bestehen im Rahmen des JubilĂ€umsjahres. Waren es zu Beginn 40 Kinder aus Assmannshausen und Aulhausen die zu den Chorproben kamen, wurden es spĂ€ter weniger. Der Kinderchor mußte nach ĂŒber zehn Jahren wegen fehlendem Interesse, und aus KostengrĂŒnden aufgegeben werden. Zu dieser Zeit sangen im gemischten Chor 64 SĂ€ngerinnen und SĂ€nger.
   Bild: Verleihung der Zelterplakette 1984.

An dieser Stelle sei wieder einmal erwĂ€hnt, daß sich die mehrtĂ€gigen SĂ€ngerfahrten immer grĂ¶ĂŸerer Beliebtheit erfreuten. Im April 1985 fĂŒhrte die Vereinsfahrt nach Prien an den Chiemsee, das Programm war sehr umfangreich. Man brachte in der Kurklinik St. Irmgard in Prien-Stock ein Chorkonzert mit „Volksweisen aus aller Welt und Lieder vom Wein“ zu Gehör.
Von dieser Zeit an hatte Reinhold Forschner den Vereinsvorsitz ĂŒbernommen, den er bis heute ausĂŒbt.
Im Advent des gleichen Jahres richtete der Verein ein Kirchenkonzert aus, dessen Erlös an den AssmannshÀuser Missionar Pater Willi Riedel in Indonesien ging.
1987 folgte eine mehrtÀgige Fahrt nach Pertisau am Achensee, wo man einen Gottesdienst in der Pfarrkirche mitgestaltete.

Ab 1990 fanden die beliebten Herbstkonzerte im Staatsweingut Assmannshausen statt. Über die Gastfreundschaft der Hessischen StaatsweingĂŒter zeigt man sich bis heute besonders dankbar, fehlt es doch in Assmannshausen an RĂ€umlichkeiten, in denen der Verein seine Konzerte abhalten kann. Stets wurden zu den Konzerten Solistinnen und Solisten, Musikgruppen und auch Jugendliche aus der Gemeinde zur Mitwirkung im Programm eingeladen. Ausgesuchte Speisen – von Vereinsköchen zubereitet – und AssmannshĂ€user Weine sind Begleiter der Konzerte.

Das 110jĂ€hrige Bestehen feierte der Verein im Rahmen mehrere Veranstaltungen. Den Auftakt machte ein SĂ€ngerball mit festlichem MenĂŒ in der „Alten BauernschĂ€nke“. Dabei wurden verdiente SĂ€ngerinnen und SĂ€nger ausgezeichnet. Es folgte ein Konzert im Staatsweingut, an dem der MĂ€nnerchor Hadamar mitwirkte. Der Saal im Vereinshaus wurde in eine „Straußwirtschaft“ umgewandelt, in der man frohe Stunden beim Wein verbrachte. Seither findet die „Straußwirtschaft“ des Vereins in jedem Herbst statt und erfreut sich großer Beliebtheit.
Ein „Weinkonzert im Höllenberg“ richtete man am 9. Juni 1995 im Staatsweingut Assmannshausen aus. Mitgestaltet wurde es von RĂŒdesheimer Chören.

Neben dem Chorgesang und dem Erhalt eines Kulturgutes fĂŒhlt sich der Verein auch dem dörflichen Miteinander verpflichtet. 2001 ĂŒbernahm der Chor die Patenschaft fĂŒr die Sanierung des großen Sandsteinkreuzes auf dem Friedhof. Die Übernahme der Patenschaft erfolgte mit einem Weihnachtskonzert in der Kirche, bei dem die BlĂ€sergruppe „Sickingen“ aus Sauerthal mitwirkte. Der Erlös ging als erste Einzahlung auf ein Spendenkonto. Mit UnterstĂŒtzung vieler MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger, sowie der Stadt RĂŒdesheim am Rhein, wurde die Sanierung des Kreuzes in Auftrag gegeben und ausgefĂŒhrt.
Die große SĂ€ngerfahrt vom 5. bis 9. Juni 2003 fĂŒhrte nach Bayerisch Eisenstein im Naturpark Bayerischer Wald. Von dort unternahm man eine Tagesreise nach Prag. Schöne Erinnerungen brachten die Reiseteilnehmer vom Vereinsausflug im Jahre 2005 aus dem Raum Bodensee mit zurĂŒck. Hier sang der Chor in der Wallfahrtskirche Kloster Birnau. Die Chorreise 2007 fĂŒhrte nach Ellmau am Wilden Kaiser mit Tagesfahrt nach Salzburg.

Es sind die zahlreichen Chorauftritte innerhalb der Gemeinde, die das Vereinsleben prĂ€gen. Man singt zu kirchlichen Hochfesten, Gedenkfeiern und örtlichen Veranstaltungen. 2008 war es die große 900-Jahrfeier von Assmannshausen. Erstmals wurde der Ort 1108 mit der Schenkung eines Weinberges urkundlich erwĂ€hnt, ein Grund zum Feiern. Der Verein beteiligte sich an einer Bildausstellung und richtete eine historische Straußwirtschaft aus. Den Gesamterlös des Festes stifteten die teilnehmenden Ortsvereine fĂŒr die Sanierung des Kirchendaches der Kirche Hl. Kreuz. StĂ€ndchen erfreuen die Menschen, denen sie dargebracht werden.

Im Rahmen der Weihnachtsfeier 2008 verabschiedete der Verein seinen Chorleiter Dr. Friedemann Mosler. Er hatte wĂ€hrend seiner 20jĂ€hrigen TĂ€tigkeit das Vereinsleben entscheidend mitgeprĂ€gt. DafĂŒr ernannte man ihn zum ersten Ehren-Chorleiter in der Vereinsgeschichte.

letzte Änderung:
29.10.2014

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